Skills auf den Knien? Warum das im PADI-Kurs nur die halbe Wahrheit ist.
- Daniel Kistler
- vor 3 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
In der Tauchbranche gibt es eine Diskussion, die so alt ist wie das erste Jacket: Darf man beim Tauchen lernen eigentlich knien? Immer wieder höre ich Sätze wie: „PADI bringt den Schülern das Tauchen nicht richtig bei – echte Skills müssen im Trim (horizontal) gelernt werden!“
Als PADI Course Director und Inhaber des Cyprus Diving Centre kenne ich beide Seiten der Medaille. Und ja, wir beginnen im PADI Open Water Diver Kurs oft in einer stabilen Position - auf den Knien oder den Flossenspitzen. Warum wir das tun, warum das aber nur die halbe Wahrheit ist und warum der Fehler meist nicht bei PADI liegt, erkläre ich euch hier.
🚲 Die Stützräder-Phase: Warum Stabilität am Anfang zählt
Stellt euch vor, ihr lernt Fahrradfahren. Niemand setzt euch ohne Übung direkt auf ein Mountainbike für einen Downhill-Run. Beim Tauchen lernen ist es ähnlich. Wenn du das erste Mal unter Wasser atmest, ist dein Gehirn im „Overload“-Modus.
In dieser ersten Phase - wir nennen sie die Pool- oder „Confined Water“-Phase - geht es um Sicherheit und das Erlernen grundlegender Bewegungsabläufe. Wenn wir die Maske das erste Mal teilweise fluten, ist es enorm hilfreich, wenn der Schüler sich in einer komfortablen, stabilen Position befindet. So kannst du dich voll auf den Skill konzentrieren, ohne gleichzeitig um deine Balance zu kämpfen. Das nimmt den Stress und baut das nötige Selbstvertrauen auf.
📋 Das „Geheimnis“ im Instructor Manual (das viele übersehen)
Hier kommen wir zum Kern des Problems. Als Course Director bilde ich Tauchlehrer aus und achte penibel auf das PADI Instructor Manual. Darin steht eine Übung, die leider viel zu oft „vergessen“ oder abgekürzt wird:
Der simulierte Mini-Tauchgang.
Bevor es ins offene Meer geht, müssen meine Schüler im Pool oder bei uns in der Green Bay zeigen, dass sie:
Bleimenge und Trimmung perfekt gecheckt haben.
Einen korrekten 5-Punkte-Abstieg durchführen.
Neutral tariert schweben und schwimmen.
Und jetzt kommt’s: Während dieses Tauchgangs müssen sie auf Probleme reagieren (z. B. Maske fluten oder Krämpfe lösen) – und zwar ohne sich auf den Boden zu knien!
Genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Wenn ein Tauchlehrer diese Übung überspringt, lernt der Schüler nur das „Knien am Boden“. Wer bei uns in Protaras ins Wasser geht, lernt von Anfang an, dass die Knie nur die Stützräder sind.
🌊 Der Moment der Wahrheit: Tauchen in der Green Bay

Im offenen Gewässer, zum Beispiel in unserer wunderschönen Green Bay, zeigen die Schüler danach, dass sie die Skills beherrschen. Hier gibt es kein Vorzeigen durch den Lehrer mehr. Der Schüler agiert idealerweise bereits neutral tariert oder balanciert nur sanft auf den Flossenspitzen.
Doch die wichtigste Übung im gesamten Kurs wird oft unterschätzt: Das eigentliche TAUCHEN!
Wir verbringen bewusst viel Zeit unter Wasser, um gemeinsam die Unterwasserwelt Zyperns zu erkunden. Dabei integrieren wir die Skills in den Flow. Du sollst deine Maske ausblasen können, während wir entspannt an einer Meeresschildkröte vorbeigleiten – ohne den Tauchgang zu unterbrechen.
🐢 Mein Fazit als Course Director
Der Fehler liegt nicht im PADI-System oder den Ausbildungsstandards. PADI gibt uns alle Werkzeuge an die Hand, um erstklassige Taucher auszubilden. Das Problem ist oft Zeitdruck oder mangelndes Wissen bei der Umsetzung durch den Tauchlehrer.
Echte Tauchausbildung bedeutet für mich, dich sicher von der stabilen „Stützräder-Phase“ in die vollkommene Schwerelosigkeit zu begleiten. Denn am Ende wollen wir alle dasselbe: schwerelos durch das Blau gleiten, die Fische beobachten und die Freiheit unter Wasser genießen – ganz ohne Knieschoner.
🎓 Von der Basis bis zum Profi: Warum mir das im IDC so wichtig ist
Diese Diskussion über „Knien vs. Schweben“ ist nicht nur für Anfänger relevant. Als PADI Course Director leite ich unsere IDCs (Instructor Development Courses) hier auf Zypern und bilde die nächste Generation von Tauchlehrern aus.
Mir ist eine zeitgemäße und praxisnahe Ausbildung extrem wichtig. In meinen IDCs im Cyprus Diving Centre lernen angehende Tauchlehrer von Anfang an, dass die Standards von PADI keine „Checkliste zum hinknien“ sind, sondern ein Rahmen für erstklassiges Tauchen. Wir schauen uns genau dieses Thema - die Trimmung und die neutrale Tarierung während der Skills - intensiv an.
Ein Tauchlehrer, der bei mir seine Ausbildung macht, lernt:
Wie man Schülern die Angst nimmt, ohne sie am Boden festzutackern.
Wie man Übungen im Freiwasser direkt im Schwebezustand unterrichtet.
Dass Qualität vor Zeitdruck geht.
Wenn du also bei uns Tauchen lernst - egal ob als blutiger Anfänger oder auf dem Weg zum Profi - kannst du dich darauf verlassen, dass wir nach den modernsten Methoden unterrichten. Mein Ziel ist es, dass jeder Instructor, den wir ausbilden, die Leidenschaft für eine perfekte Wasserlage an seine Schüler weitergibt.
Euer Daniel "KID" PADI Course Director, Cyprus Diving Centre



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