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Lohnt es sich, Divemaster oder Tauchlehrer zu werden?

Aktualisiert: 19. Nov. 2022

Viele Taucher träumen davon, irgendwann auf einer wunderschönen Insel am Meer zu leben und sein Geld mit Tauchen zu verdienen. Doch entspricht dies auch der Realität? Wie schwer ist der Weg zum Dive Pro und lohnt es sich überhaupt? Oder bleibt dies für viele einfach nur ein Traum?

Daniel Kistler als PADI Tauchlehrer auf dem Schiff nach einem Tauchgang zur Zenobia. Mit einem Aqualung Wetsuit und Apeks XTX200 Regulator
Daniel Kistler - PADI Tauchlehrer auf Zypern nach einem Tauchgang beim Zenobia Wreck

Mein Name ist Daniel Kistler, ich bin PADI Tauchlehrer und, zusammen mit Tamara, Inhaber der Tauchschule CyprusDivingCentre auf Zypern. Vor einigen Jahren habe ich mich genau das gefragt und teile hier gerne meine persönlichen Ansichten mit euch.


Der Anfang

Wie bei den meisten Tauchern hat es bei mir auch mit einem Schnuppertauchgang und anschließendemPADI Open WaterDiver angefangen. Das war im Jahr 2011. Ich war einfach begeistert von der Unterwasserwelt, der Ruhe und dem Gefühl einfach Schwerelos in einer anderen Welt zu schweben. Und schon zu Beginn habe ich natürlich zu meinem Tauchlehrer hochgeschaut und gedacht; „WOW – was hat der für ein Leben!“. Lebt hier auf einer wunderschönen Insel, wird dafür bezahlt abzutauchen, Stress scheint er auch keinen mehr zu haben und er war einfach nur glücklich! Und ich muss in wenigen Tagen wieder zurück in die Schweiz... Zurück in die Küche, jeden Tag Stress, meistens schlechtes Wetter und überhaupt ist eigentlich gerade alles nicht so wie ich es mir wünsche. Schon da habe ich Witze darüber gemacht, dass ich irgendwann auch als Tauchlehrer auf einer Insel arbeiten werde. Doch natürlich waren dies eigentlich eher Träume. Ich kann ja nicht einfach alles hinschmeißen und davon ziehen? Oder etwa doch?


Viele Jahre als Urlaubstaucher

Nach der Ausbildung kam die Realität für mich zurück. Das Tauchen wurde ein Urlaubshobby. Somit sammelte ich die ersten paar Jahre vielleicht 4-8 Tauchgänge pro Jahr – oder auch mal gar keine. Immer wenn ich tauchen war, kamen die Träume wieder vom Leben am Meer und der Freiheit. Doch es blieb ein Urlaubshobby. Bis sich in der Schweizer Armee eine gute Freundschaft zu Michi entwickelt hat.


Auch er hat soeben seinen Tauchschein gemacht und wir dachten uns „Hey – wieso gehen wir nicht mal in der Schweiz zusammen tauchen?“. Gesagt, getan. Der erste Tauchgang war eher etwas ungemütlich, da wir nicht wussten, wie kalt die Schweizer Seen werden können. Aber es hat uns gepackt, und so habe ich auf einmal um die 50 Tauchgänge pro Jahr gemacht.Michi hat dann irgendwann angefangen, seinen PADIDivemaster Kurs in der Schweiz zu machen. Für mich war dies keine wirkliche Option, ich wollte ans Meer.


Mittlerweile hat sich aber auch mein privates Leben etwas verändert. Ich war nicht mehr Koch, sondern Offizier in der Schweizer Armee als Zeitmilitär. Der Plan war eigentlich eine Berufsoffizier-Laufbahn. Mein Job in der Schweiz hat mir eigentlich richtig Spaß gemacht. Doch dennoch, bin ich jeden Tag aufgestanden und etwas hat mir gefehlt. Am Morgen früh, es war meistens kalt, dunkel und irgendwie war es halt doch einfach ein Arbeitstag.


Der Wendepunkt

Ich war in einer Phase, wo ich einfach nicht mehr genau wusste, was ich will. Eigentlich war mein Ziel ganz klar eine Karriere bei der Schweizer Armee. Dann habe ich Tamara kennengelernt. Wir haben uns getroffen und kamen auch zusammen. Jedoch gab es da ein großes ABER. Wir haben uns kennengelernt, kurz bevor sie für 6 Monate auf Reisen ging. Somit hatten wir nur wenige Wochen zusammen und dann flog sie nach Australien. Ich blieb zurück in der kalten Schweiz. Da habe ich gemerkt: Ich muss etwas ändern. Kurzerhand habe ich alles hingeschmissen, hab mir ein Flugticket besorgt und bin Tamara nach Australien nachgereist. Somit waren wir die nächsten 5 Monate zusammen unterwegs und haben die Welt erkundet. Dabei wurde mir klar – Ich kann nicht zurück in die Schweiz. Ich muss es jetzt probieren oder ich werde es womöglich irgendwann stark bereuen.


Wichtige Gedanken dazu

Was für mich auf jeden Fall sehr wichtig war, war zu wissen, dass ich eine gute Ausbildung gemacht habe, gute Arbeitszeugnisse hatte und dadurch auch eine Sicherheit hatte. Und das rate ich auch heute noch jedem, der gerne Tauchlehrer werden möchte. Mach erst eine Ausbildung, sammle etwas Arbeitserfahrung und halte dir einfach Türen offen. Es ist immer gut, eine Absicherung zu haben.



Hast du schon mal davon geträumt, mit Tauchen dein Geld zu verdienen?

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Die Ausbildung zum PADI Divemaster

Während unserer Reise sind wir auch auf Koh Tao in Thailand gelandet. Eine tolle Taucherinsel. Da haben wir gemeinsam beschlossen dort hin zurückzufahren und unseren PADIDivemaster Kurs zu machen. Aufgrund dessen, dass wir unsere Ausbildung in einer der größten PADI Tauchschulen der Welt gemacht habe, haben wir auch viele andere Divemaster Kandidaten kennengelernt.


Da haben wir festgestellt, es gibt zwei Arten von Kandidaten:

- Die „ich will einfach ein geiles Leben“ -Kandidaten

- Die „ich will ein guter Dive Pro werden und bin bereit dafür zu arbeiten“-Kandidaten


Wenn du wirklich einen Fuß in die Tauchbranche setzen willst, und davon auch längerfristig leben willst, solltest du auf jeden Fall zur zweiten Kategorie gehören. Wir, Tamara und Ich, haben beide viel Zeit in uns investiert. Alles sehr ernst genommen und versucht, mit jedem Tauchgang besser zu werden. Schlussendlich trägt man als PADIDivemaster oder PADI Tauchlehrer eine große Verantwortung.




Der erste Job als PADI Divemaster

Nach unserer Ausbildung, sind wir dann auch gleich gemeinsam zu unserem ersten Job gekommen. Auf Zypern, wo ich für Jahren meine erste Ausbildung gemacht habe. Die Bezahlung war nicht wirklich das wahre, doch wir wussten – es geht für uns erstmal darum, Erfahrung zu sammeln und wir dachten – es ist halt einfach so in der Tauchbranche. Also hieß es für uns nun definitiv: Sachen packen in der Schweiz und Auswandern nach Zypern.


Wir haben sehr viel gearbeitet, sehr selten freigehabt und die Tage bestanden halt nicht nur aus Tauchen. Flaschen füllen, Shop reinigen, Equipment reinigen, Gäste fahren, Computer-Arbeiten erledigen und so weiter. Es stand viel an. Doch alles hat irgendwie Spaß gemacht. Es war ein anderes Arbeiten, ein anderer Stress. Man war glücklich und vor allem waren die Leute um dich herum auch immer glücklich!


Die Ausbildung zum Tauchlehrer

Wir liebten, was wir machten und wollten mehr! Also ging es zurück nach Thailand, wo wir unseren IDC Kurs machten, um PADI Open WaterSCUBAInstructor zu werden. Und da kam es zu einem tollen Wiedersehen. Auch Michi, mit dem ich in der Schweiz angefangen habe zu tauchen, ist mit seiner Freundin im selben IDC Kurs wie wir.

PADI IDC Kurs bestanden. Daniel ist PADI Open Water SCUBA Instructor
Geschafft! Daniel ist PADI Tauchlehrer!

Es waren 2 sehr anstrengende, aber auch mega gute Wochen! Ich habe mich zum ersten Mal so richtig wie in einem Traum gefühlt. Ich werde auf ein mal PADI Tauchlehrer. Jahrelang davon geträumt und Witze darüber gemacht und auf ein mal stehst du da und hältst das Diplom in der Hand: PADI Open WaterSCUBAInstructor – Daniel Kistler. Auch Tamara, Michi und Sani, seine Freundin, haben es geschafft! Nun geht die Reise als PADI Tauchlehrer los.





Arbeiten als PADI Tauchlehrer

Nach unserer Ausbildung ging es für uns jetzt zurück nach Zypern, wo wir in derselben Tauchschule als Tauchlehrer arbeiten konnten. Und es war einfach MEGA! Wir hatten so Freude daran, anderen Menschen das Tauchen zu zeigen, sie zu Tauchern zu machen und den bereits lizenzierten Tauchern zu helfen, besser zu werden.


Doch die Tage als Tauchlehrer können lange und anstrengend sein. Oft waren es bei uns 10 Stunden oder mehr. Davon waren wir vielleicht 3x 50 Minuten unter Wasser. Der Rest der Zeit haben wir wieder mit Equipment reinigen, Shop aufräumen und ähnlichem verbracht.


Aber auch ganz viel Zeit einfach, mit Kunden zu reden und ihnen von den schönsten Erlebnissen beim Tauchen zu erzählen oder die Geschichten von anderen Tauchern zu hören. Und das ist es, was dieser Beruf für mich so unglaublich schön macht. Man hat immer ein Gesprächsthema, man hört jeden Tag so viele tolle Geschichten und lebt für seinen Beruf.


Natürlich kommt es immer auch sehr auf die Tauchschule an, welche Arbeiten von einem Tauchlehrer ausgeführt werden müssen. Größere Tauchschulen haben oft viele Angestellte, welche Reinigungsaufgaben etc. übernehmen. Bei kleineren Tauchschulen packt jeder mit an. Beides hat Vor- und Nachteile. Bei größeren Tauchschulen hat man halt oft nicht das Familiäre wie bei kleineren Tauchschulen.


Was alle immer wissen wollen - Geld?

Wir lieben unseren Beruf, und für mich ist es auch der schönste Beruf der Welt. Doch auch als Tauchlehrer oder Divemaster muss man seine Rechnungen bezahlen können. Ist dies denn überhaupt möglich?


Nun ja - grundsätzlich ja und immer mehr. Denn die Tauchbranche durchlebt auch einen Wandel. Tauchlehrer und Divemaster sind weltweit gefragt und dadurch steigen auch die Gehälter und dieBenefits, welche man als Taucher erhält. Gerade moderne Tauchschulen sind da ganz vorne mit dabei. Doch leider gibt es auch immer noch viele Tauchschulen, die eher zurückhaltend sind mit Lohn.


Hier kann ich ganz klar den Tipp geben: Verkauf dich nicht unter deinem Wert. Klar ist, dass du als junger, unerfahrener Divemaster oder Tauchlehrer etwas weniger verdienst. Hier ist der größte Lohn, das Sammeln von Erfahrung. Doch auch da sollst du nicht umsonst arbeiten und einen fairen Lohn erhalten.


Als erfahrener Tauchlehrer, mit am besten noch mehreren Specialitys, welche du ausbilden kannst, steigt natürlich auch dein Lohn. Wie hoch der ausfällt ist natürlich schwer zu sagen, da dies von Land zu Land unterschiedlich sein kann. Auch die Lebenskosten sind da natürlich entscheidend. Solltest du dich dafür entscheiden, zum Beispiel auf den Malediven zu arbeiten, wirst du grundsätzlich nicht viel Geld brauchen, da es nicht viel gibt, wo du Geld ausgeben kannst (ausser natürlich im Dive Shop;-)). Oft sind an solchen Orten auch Unterkunft und Verpflegung inklusive. Teilweise werden sogar die Flüge bezahlt!


Informiere dich bei anderen Tauchlehrern

Wir Tauchlehrer und Pros sind eine große Community, welche du auch nützen kannst. Du suchst einen Job irgendwo? Dann frag andere Tauchlehrer, was sie dort so verdient haben. Hier eignet sich zum beispiel auch ganz gut die Seite: www.taucher.net.


Wie es bei uns weiterging

Nach zwei Jahren als Angestellte Tauchlehrer, haben wir den Schritt gewagt und unsere eigene Tauchschule aufgemacht. Wir haben das CyprusDivingCentre übernommen. Unser Konzept „Swiss qualitymeetscypriothospitality“ kam gut an und innerhalb von nur 2 Jahren wurden wir zu einer der größtenPADI Tauchschulen auf Zypern. Und dies, obwohl unsere ersten zwei Jahre, die CORONA Jahre waren. Wir können also sagen, wir haben unseren Traum umgesetzt. Doch es war mit viel Arbeit und Schweiß verbunden und ist es noch immer!


Seit dem Jahr 2022 sind wir nun auch eine PADI 5Star IDC Tauchschule und werden in Zukunft, neben PADIDivemasters, ebenfalls auch PADI Tauchlehrer auf Zypern ausbilden können und somit vielleicht auch dir die Möglichkeit geben, deinen Traum Realität werden zu lassen.







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